paleo Medizin

Die Geschichte vom bösen Cholesterin und seinen Hintermännern

Fette können Dich heilen oder um die Ecke bringen

von jens freese

Nun ist es endlich amtlich: Die Low-Fat-Hypothese, die Menschen in aller Welt über 30 Jahre lang vor dem vermeintlich bösen Cholesterin in Angst und Schrecken versetzte, darf endgültig in den Aktenschrank. Was Gesundheitsexperten schon seit vielen Jahre vermuten, aber noch nicht hinreichend belegen konnten, ist jetzt in Stein gemeißelt: Menschen, die hohe Mengen gesättigter Fette essen, haben kein höheres Herzinfarktrisiko als Fettvermeider. Und weiter: Menschen, die hohe Mengen der vermeintlich so gesunden ungesättigten Fettsäuren zu sich nehmen, zeigen ebenso kein geringeres Erkrankungsrisiko – einfach-ungesättigtes Olivenöl und mehrfach-ungesättigtes Maiskeimöl eingeschlossen. Zu diesem Ergebnis kam eine neue Meta-Analyse, veröffentlicht im Magazin Annals of Internal Medicine, die 80 Einzelstudien zum Thema Fette und Herzkreislauferkrankungen zusammenfasste. Damit ist klar: Fett hat nichts mit Herzinfarkt zu tun. Wer etwas anderes behauptet, hat seit der Schulbank nicht mehr richtig gelesen.

Was Kartoffelchips mit herzkreislauferkrankungen zu tun haben

Was die Forscher in der Meta-Analyse stattdessen fanden, war ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem hohem Konsum von Transfetten und Erkrankungen des Herzkreislaufsystems. Kaltgepresste Pflanzenöle liegen in Naturform in einer cis-Form vor. Bei der industriellen Härtung (Hydrierung), die man zum Beispiel bei der Margarine-Herstellung anwendet, entsteht eine chemisch veränderte trans-Form. Früher war Margarine eine regelrechte Transfettschleuder, bis man den gesundheitsbeeinträchtigenden Effekt erkannte. Die Lebensmittelindustrie hat den Anteil in Margarine zwar auf etwa 2% gesenkt, aber Transfette stecken in unglaublich vielen Industrieprodukten, z.B. in den allseits beliebten Kartoffelchips, in Fast-Food, Fertiggerichten, Backwaren, Käse und Butter. Transfette entstehen auch, wenn man Pflanzenöle über 130° erhitzt. Bei heute noch lebenden Naturvölkern, die weitestgehend ursprünglich leben, treten Infarkte im mittleren Lebensalter so gut wie nicht auf. Einer der Gründe könnte im Erhitzungsprozess liegen, denn Völker mit hohem Fleischkonsum kochen in der Regel ihr Fleisch. Ein weiterer Grund: Transfette erhöhen nachweislich das (lausige) LDL-Cholesterin und senken das (hilfreiche) HDL-Colesterin. In Dänemark hat man vor 20 Jahren ein rigoroses Verbot erlassen. Seitdem sind die Herzkreislauferkankungen um 50% zurückgegangen. Ganz im Gegenteil zu Pakistan, wo unglaublich viel transfetthaltiges Vanapati Ghee (zum Teil über 30%) gegessen wird, eine Art Butterschmalz, der aus Palmöl hydrogenisiert wird.

„Leiden chronisch Kranke an einem Mangel an Medikamenten oder essen sie einfach nur zu wenig Fisch?"

Der Zusammenhang zwischen schlechten Blutfettwerten und Herzinfarkt ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass diese Korrelation vor allem dann zutrifft, wenn auch die Entzündungswerte dauerhaft erhöht sind. Darüber hinaus spielt der Omega-3-Gehalt im Körper eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA aus Fisch übernehmen unzählige wichtige Funktionen im Körper. Aus diesem Grund stellten Wissenschaftler die Hypothese auf, dass die Menschheitsentwicklung, und vor allem die Steigerung der Hirngröße, nahe am Wasser stattgefunden haben muss. Denn ein Teil unseres Gehirns besteht aus DHA. EPA sorgt hingegen dafür, dass Entzündungen naturgemäß ablaufen und nicht chronifizieren. Hinterfrage mal in diesem Kontext, ob chronische Patienten an einem Mangel an pharmazeutischen Entzündungshemmern leiden, oder ob wir zu wenig Fisch essen? Fisch war früher ein Arme-Leute-Gericht, heute ist Fisch relativ teuer geworden. Fisch spielte offensichtlich schon immer, zumindest seit wir auf 2 Beinen laufen, eine führende Rolle in unserer Ernährung. Inzwischen kann man seinen Omega-3-Gehalt im Körper auch messen lassen. Spezialisierte Labore ermitteln den Omega-3-Index anhand des Gehaltes von EPA und DHA in den roten Blutkörperchen. Ein Wert über 8% sagt aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen Herztodes bei nahezu Null liegt, unter 4% ist allerdings schlecht.     

Die Cholesterinlüge und das Milliardengeschäft im hintergrund

Nicht nur in Deutschland haben sich die Menschen in Sachen Cholesterin jahrzehntelang einem Bären aufbinden lassen. Man hat wissenschaftlich einfach die Hälfte der Geschichte unter den Tisch fallen lassen. So erhöht gesättigtes Fett zwar das lausige Cholesterin (LDL), aber leider auch das vermeintlich hilfreiche (HDL). Darüber hinaus wirkt sich ein zu geringer Cholesterinwert sehr viel schlimmer aus, denn Cholesterin wird für die Produktion von Steroidhormonen wie Östradiol, Progesteron Cortisol und Aldosteron täglich gebraucht. Auch Gallensäuren und die Produktion des so lebenswichtigen Vitamin D brauchen als Ausgangssubstanz Cholesterin. Diese Erkenntnisse passten aber nicht so recht in die Strategie der Pharma- und Lebensmittelindustrie und so hat man das böse LDL-Cholesterin eben zum roten Teufel auserkoren. Und was man oft genug hört, glaubt man irgendwann auch. Jeder Medizinstudent der letzten 30 Jahre erfuhr an der Uni den pharmaaffinen Teil der Story und verschrieb später in seiner niedergelassenen Praxis mit bestem Wissen und Gewissen fleissig Cholesterinsenker. Die spülten im Jahre 2011 über 20 Milliarden US Dollar in die Kassen der Pillendreher. Im gemischten Doppel mit der Lebensmittelbranche wurde dann die Low-Fett-Bewegung ausgerufen, wonach sich die meisten heute noch richten. Dabei ist längst bewiesen, dass der Einfluss einer Nahrungsumstellung auf den Cholesterinspiegel nicht der Rede wert ist.

„Wenn Patente für Medikamente auslaufen, werden mehr Menschen für krank erklärt, um so fallende Preise auszugleichen – wie geschehen bei den Cholesterinsenkern!"

Gemäß Richtlinien der Lipid-Liga sollen wir wenig fettes Fleisch, Innereien, Wurstwaren und Käse essen, uns insgesamt fettarm ernähren (und damit auf die wertvollen Omega-3-Fette verzichten), unsere Nahrung fettarm zubereiten (und damit auf die hochwertigen Oliven- und Kokosfette verzichten) sowie Pflanzenöle zum braten und backen benutzen (und damit viele Transfette zu konsumieren). Insgesamt eine ziemlich toxische Mischung!

medizin deines lebens: die feinen tricks der pillenindustrie

Der sprudelnden Geldquelle der Cholesterinsenkerlobby drohte übrigens kürzlich der Exodus, denn derzeit laufen fast alle Patente für Cholesterinsenker aus, was den Preis durch billige Kopien von Generikaherstellern zwangsläufig nach unten treibt. Deshalb trafen sich die führenden Fachgesellschaften in Sachen Herzgesundheit, dass American College of Cardiology und die American Heart Association und operierten einfach mal am offenen Herzen der Leitlinien herum. Ärzten werden durch diese Leitlinien Empfehlungen ausgesprochen. Und siehe da: Über Nacht waren die Leitlinien plötzlich geändert. Mit einem Schlag standen auf einmal statt zuvor 15% nun 31% der Bevölkerung auf der Liste potentieller Kandidaten für die Verabreichung von Lipidsenkern. So einfach und vor allem heimlich, still und leise gleicht man mit einem Kunstgriff fallende Preise aus und verschiebt Milliarden aus unserem Gesundheitssystem ins Portemonnaie der Pharmaindustrie. Ein Schelm, wer etwas Böses dabei denkt: Aber interessant ist doch, dass die neuen Leitlinien exakt in das Auslaufen der Patente fallen, oder?

Arteriosklerose oder: Meteoritenalarm in der Blutbahn

Heute wissen wir aber, dass die Cholesterinmenge (Gesamtcholesterin) gar nicht das Problem ist. Viel problematischer für unser Herzkreislaufsystem ist oxidiertes LDL-Cholesterin. Und das entsteht nicht durch hohen Fettkonsum, sondern durch Kohlenhydrate (siehe auch: Die Wahrheit über Pizza, Pasta und Co) und einem Mangel an Obst und Gemüse. Oxidiertes Cholesterin löst Entzündungen an den Arterienwänden aus, die Vernarbungen nach sich ziehen. Dadurch verliert unser Rohrleitungssystem an Durchmesser. Wenn man jetzt auch noch einen akuten Omega 3-Mangel und einen Überschuss an Zucker im Blut hat, dann verklumpen rote Blukörperchen wie Geldrollen und bilden nicht auflösbare Zucker-Protein-Verbindungen (auch Advanced Glycation Endproducts genannt), die wie Meteoriten durch die Blutbahn kreisen. Wenn die Leitungen immer enger werden, können diese Festkörper ebenfalls die Arterienwände beschädigen oder an einer Nahtstelle hängenbleiben und Thrombosen auslösen – beides kann tödlich enden. Das muss nicht sein. Mit Paleo lebst Du nicht zwingend länger, aber Du stirbst in jedem Fall gesünder.

Unsere zertifizierten Paleo Coachs wurden von uns gezielt auf die Prävention von Herzkreislauferkrankungen geschult. Paleo Coachs unterstützen Dich professionell bei der Umstellung auf den Paleo Lifestyle und erstellen Dir einen r)evolutionären Ernährungs- und Trainingsplan, der zu Deinen genetischen Wurzeln passt!

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Quellen:

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